Innenarchitekt/Architekt Jürgen Hill, Innenarchitekt/Architekt Martin Riker und Innenarchitekt/Architekt Prof. Gerhard Meerwein folgen der Veranstaltung. Foto: Kristina Schäfer

Präsentation | Vom Kissenknicken zur Kommunikation im Raum

Masterarbeiten der Fachrichtung Innenarchitektur aus Mainz im ZB

Nein, vom Vorurteil, man gehöre zu "den Kissenknickern" wollten die Absolventinnen und Absolventen des Masterstudiengangs "Kommunikation im Raum" der Fachrichtung Innenarchitektur in Mainz nichts wissen, als sie das Zentrum Baukultur drei Tage lang mit einer "Pop-up-Ausstellung" kreativ okkupierten. Anlass der Ausstellung waren die Masterprüfung und Zeugnisübergabe im Januar.
Allerdings hatten sie sich auf der Einladung zur Ausstellungseröffnung ironisch mit weißen Einheitskissen beim munteren Knicken inszeniert. Ihre Abschlussarbeiten stellten dann nicht nur unter Beweis, wie weit sie das Dekorative hinter sich gelassen haben, sondern auch, wie stark sich der Mainzer Masterstudiengang "Kommunikation im Raum" von der klassischen Innenarchitektur entfernt hat. Eva Holdenried, Innenarchitektin und Vorstandsmitglied der Kammer, bedauerte in ihrer Begrüßung dann auch bei aller Freude über die gelungene und detailfreudige Präsentation, dass der Berufseinstieg mit Kammerfähigkeit angesichts dieser Positionierung in der Ausbildung schwerer geworden sei: "Noch nie haben Menschen so viel Zeit in Innenräumen verbracht und noch nie war unser Aufgabengebiet so groß! Ihr Wissen ist gefragt, wie mir die 27 weiteren Berufsoptionen in der Beschreibung Ihres Masters verdeutlichen. Medien, Design und Visualisierung sind spannende Berufsfelder, aber in der Innenarchitektur geht es um mehr… Bei aller Liebe zu Form und Farbe, zu Materialien und Oberflächen tragen wir doch die Architektur in unserem Titel und damit etwas Dauerhaftes, Technischen und Umfassendes. Es geht vor allem darum, Räume zu schaffen, mit allen baulichen Eingriffen, die dafür notwendig sind. Wir gestalten gebauten Bestand, oft auch im Neubau!"

Die Absolventen hatten sich die Revitalisierung eines Kinos, einen Rucksackraum für Stadtnomaden, einen virtuellen Arbeitsraum, einen Treff- und Arbeitsraum auf Autohöfen, einen Erwachsenenspielraum mit Perspektivwechsel, loftiges Containerwohnen auf minderbebauten Grundstücken und einen Schutzraum für überschwemmungsgefährdete Gebiete in Südostasien zum Thema gemacht. Alle Arbeiten wurden in sieben dialogischen Kurzpräsentationen zwischen Absolventen und betreuenden Professoren vorgestellt.

Sara Düsedau hatte sich unter der Betreuung der Professoren Benninghoff und Reckter aufgemacht, ein leer stehendes Kino in ihrer Heimatstadt Freising zu revitalisieren. Sie stellte in den großen, alten Kinosaal zwei kleine, offene Kuben zur Filmpräsentation ein, die beim Start des Films die offenen Wände schließen. Drumherum ist ein Café- oder Loungebereich, der sich zur Stadt öffnet. Die Kuben bilden durch Lichtinstallationen die Stimmung der Filme auf ihrer Oberfläche ab. Eine Verbindung von drinnen und draußen soll so hergestellt werden, das Kinogeschehen in die Stadt getragen werden und umgekehrt.

Moritz Valentin Frank hat mit "Spbag" und den Betreuern Prof. Gutjahr und Prof. Teltenkötter einen Rucksack entwickelt, der dem modernen Stadtnomaden auf dem Weg zu seinen digitalen Arbeitsplätzen ein Stück Vertrautheit und mit Basisutensilien mit auf den Weg gibt. Ein Außenskelett, ein Netz aus dehnbaren Schnüren für alles, was mit muss, und ein innerer, wasserfester Rucksack für die Wertgegenstände sind sein Konzept.

Julian Hermann hat, aus dem Bereich Mediendesign kommend, einen virtuellen Arbeitsraum geschaffen. Prof. Teltenkötter konnte begeistert von der ersten Präsentation dieser Arbeit auf der Messe Domotec berichten. Die digital in virtueller Realität mit 3D-Brille und Eingabegerät erzeugten Raumgestaltungen wurden hier an digitale Drucker, Fräsen und Roboter ausgegeben. Ergebnisse aus der Gestaltung im virtuellen Raum konnten so real vor Ort produziert werden. Zweiter Betreuer dieser Arbeit war Prof. Reckter.

Teresa Müller widmete sich mit "Anyplace" der Frage nach den künftigen Arbeitswelten. Wenn immer mehr Arbeit von zuhause aus geleistet wird, Firmen viruteller werden und persönliche Treffen unregelmäßig stattfinden, schlägt sie vor, sich auf halber Strecke zu Gesprächen zu treffen. Verkehrsgünstig auf Autohöfen möchte sie mobile Raumeinheiten platzieren, die für persönliche Gespräche, Verhandlungen, ein kleines Catering und das Aufladen der E-Mobile temporär nutzbar sind. Betreut wurde sie von den Professoren Pretnar und Benninghoff.

Nina Nöth nahm sich des Jammerns an. Sie entwickelte betreut von den Professoren Gutjahr und Benninghof einen Pop-up-Spielraum für Erwachsene, der dazu einlädt, die Welt nicht von ihren negativen Seiten her zu betrachten, sondern positiv. Dazu inszenierte sie im Spielcontainer einen Perspektivwechsel. Ihr Ziel: Lächelnd sollen die Besucher den Container verlassen und das jammernde "Mi Mi" in ein selbstbewusst-fröhliches "me" verwandeln. Ihr Motto: die Wende zum Positiven in die eigenen Hände nehmen!

Jessica Schneider nahm sich mit "Contrast" der im Zuge des Brexit vermuteten Wohnraumknappheit in Frankfurt am Main an. Betreut von Prof. Büsing und Prof. Pretnar zeigt sie, wie parasitäre, temporäre Lösungen helfen, Wohnraum für nach Frankfurt beorderte Banker auf zurzeit minderbebauten Grundstücken zu platzieren, ohne diese Parzellen dauerhaft zu besetzen oder die oft nur in den Erdgeschossen stattfindende aktuelle Nutzung vollständig zu verdrängen. Ihr Mittel: Ein Stahlgerüst und eingestellte Seecontainer.

Ebenfalls einer sozialen Aufgabe widmete sich Annika Wurl. Mit "48 Hours" reagiert sie auf die Erkenntnis, dass in Katastrophenregionen oft die ersten 48 Stunden besonders kritisch sind. Für diese erste Notzeit und Überflutungen schlug sie einen floßartigen Baukörper vor, er von einer umlaufenden Bambusstruktur am Ort gehalten wird, aber aufschwimmen kann und so der Flutwelle trotzen soll. Leicht, einfach und aus lokal vorhandenen Ressourcen sollten diese „Emergency Shelter“ zu errichten sein, Wind und Wasser trotzen. Und wenn gerade keine Notsituation droht, sollten sie Markt und Kommunikationsplatz sein.

Mittwoch, 17. Januar 2018

Zentrum Baukultur im Brückenturm | Rheinstraße 55 | 55116 Mainz

Veranstalter
Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz

Kooperationspartner
Hochschule Mainz, Fachbereich Gestaltung – Fachrichtung Innenarchitektur

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