Thorsten Mühl, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Mainz, zeigte die Finanzierung für den Umbau eines Einfamilienhauses aus den 1960er Jahren in ein Zweifamilienhaus mit Einliegerwohnung sowie dessen energetische Sanierung auf. (Foto: Kristina Schäfer, Mainz)

Information | Vom Traum zum Haus

"Budget und Bedürfnisse müssen aufeinander abgestimmt sein, damit der Traum vom Haus nicht zum Alptraum wird."

Mainz. In den eigenen vier Wänden wohnen – ein Traum, den sich viele Menschen erfüllen wollen. Mehr denn je stehen dabei Bestandsimmobilien im Fokus. Diese müssen in der Regel durch Modernisierung, Sanierung und Umbau an die eigenen Wohnwünsche und aktuellen Anforderungen angepasst werden. Welche Möglichkeiten und Grenzen es bei Bestandssanierungen gibt und mit welchem finanziellen Aufwand Hausbesitzer oder -käufer rechnen müssen, darüber informierte die Veranstaltung "Vom Traum zum Haus" am 12. April im Zentrum Baukultur.

Moderatorin Alexandra May skizziere zunächst die gegenwärtige Lage auf dem Immobilienmarkt in Rheinland-Pfalz: Dem Wachstum in Ballungsräumen stehe die Schrumpfung in ländlichen Regionen gegenüber. Gerade in prosperierenden Städten wie Mainz sei Bauland knapp. Eine gute, und oftmals auch preiswertere Alternative für einen Neubau seien Bestandsbauten. Sie seien in der Regel gut erschlossen; die Infrastruktur bereits vorhanden. "Für ein Reihenhaus zahlt man im Bestand etwa 23 Prozent weniger, als für ein Reihenhaus in einem Neubaugebiet", zitierte May das Ergebnis einer Marktanalyse der LBS.

Den theoretischen Unterbau der gemeinsamen Informationsveranstaltung des Zentrums Baukultur und der LBS Landesbausparkasse Südwest lieferte Dr. Stephan Weinberg, Staatssekretär im Finanz- und Bauministerium Rheinland-Pfalz. "Der Traum vom Haus ist weit verbreitet. Es ist ein emotionales Thema, das viele bewegt. Dafür sprechen auch die dichtgedrängten Besucherreihen am heutigen Abend." Zugleich unterstrich er: "Wir in Rheinland-Pfalz sind spitze – und das in doppelter Hinsicht. Mit einer Wohneigentumsquote von 57,6 Prozent belegen wir bundesweit den Spitzenplatz. Und auch bei der durchschnittlichen Wohnfläche liegen wir mit 104 Quadratmeter ganz vorn." Damit sich möglichst viele den Traum vom Eigenheim auch verwirklichen können, habe die Landesregierung ein entsprechendes Maßnahmenbündel geschnürt. Erhebliche Verbesserungen seien beim Wohneigentumsprogramm der sozialen Wohnraumförderung vorgenommen worden, die über die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) umgesetzt werden und insbesondere junge Familien bei der Bildung von bezahlbarem Wohneigentum unterstützen sollen. Zudem verwies er auf die Förderprogramme für Barrierefreiheit oder gemeinschaftliches Wohnen und merkte an, dass der öffentliche Diskurs künftig neben Neubau und Baulandgewinnung auch stärker das Thema Bestand in den Blick nehmen müsse.

Im Anschluss stellte der Mainzer Architekt Helge Hußmann an konkreten Beispiel die Chancen aber auch Schwachstellen von Bestandsbauten aus verschiedenen Baujahrzehnten vor: Darunter eine Hofreite aus dem 19. Jahrhundert, die teilweise umgenutzt wurde und in der zeitgemäße und großzügige Räume für eine Familie entstanden, ein Mehrfamilienhaus aus den 1950er/60er Jahren, das umfangreich saniert wurde sowie ein Einfamilienhaus aus den 1970er/80er Jahren, das eine Modernisierung erfuhr. Der Titel ‘Vom Traum zum Haus‘ lege nahe, dass es um Traumhäuser gehe, so Hußmann. "Und das stimmt auch. Aber: Es geht nicht um ‘autistische‚ Traumhäuser. Es geht darum, wie aus einem Bestandsgebäude und einer Vision, ein neues, anderes Haus werden kann." Mit Verweis auf den Umbau eines Denkmals unterstrich der Architekt die Faszination historischer Bausubstanz: "Es hat einen besonderen Reiz, sagen zu können, die Balken meines Daches wurden eingepflanzt, da war Amerika noch nicht entdeckt." In seiner Querschnittsbetrachtung kamen auch die Themen Barrierefreiheit und Nachverdichtung im städtischen Bereich durch einen Dachstuhlausbau nicht zu kurz. "Nicht nur der Aufzug, auch der leicht auffindbare, weil rote Lichtschalter, kann Teil eines barrierefreien Konzepts sein", so Hußmann weiter. Grundsätzlich sei Bauen im Bestand für alle Preisklassen denkbar. Den anwesenden Besitzern älterer Bestandsimmobilien und solchen, die es werden wollen, riet er: "Budget und Bedürfnisse müssen aufeinander abgestimmt sein, damit der Traum vom Haus nicht zum Alptraum wird. Entwickeln Sie Synergieeffekte! Denn damit können Sie im Idealfall, gleich mehrere Verbesserungen erzielen." Um böse Überraschungen zu vermeiden, müsse ausreichend zeitlicher und finanzieller Puffer eingeplant werden: "Mit 20 Prozent Puffer liegen sie gut!"

In der nachfolgenden Gesprächsrunde wurden anhand drei konkreter Beispiele Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten, aber auch Optionen zum Erwerb einer Bestandsimmobilie mit weniger Eigenkapital erläutert: Zunächst präsentierte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der LBS Landesbausparkasse Südwest Uwe Wöhlert den Finanzierungsplan für eine barrierefreie, altersgerechte Modernisierung einer Immobilie. Anschließend zeigte Thorsten Mühl, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Mainz, die Finanzierung für den Umbau eines Einfamilienhauses aus den 1960er Jahren in ein Zweifamilienhaus mit Einliegerwohnung sowie dessen energetische Sanierung auf. Dr. Ulrich Link, Vorstand der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB), informierte zu Kauf und Modernisierung eines Einfamilienhauses mit öffentlichen Mitteln. "Der Eigenheimbau oder Kauf ist für die meisten Menschen die größte Investition in ihrem Leben. Finanziell muss deshalb immer alles gut durchdacht sein. Am besten geht man seine Möglichkeiten und Wünsche mit einem Finanz-, Bauspar- oder Immobilienberater durch, um eine realistische Einschätzung zu erhalten, was man sich wirklich leisten kann.", so Wöhlert. "Übrigens: Wir reden immer über neue Immobilien. Diese machen gerade einmal 30 Prozent unserer Finanzierungen aus. Der Löwenanteil fällt auf den Erwerb und die Sanierung von Bestand." Auch wenn die Immobilienpreise in Mainz in den vergangenen Jahren extrem gestiegen sind, die Gefahr einer Immobilienblase sahen die Finanzexperten nicht. Auch in einem weiteren Punkt waren sie sich einig: Langfristig werden die Zinsen wieder steigen. "Eine Zinssicherung macht daher absolut Sinn", betonte der Vorstandsvorsitzende der LBS Südwest. Um sich auf dem angespannten Wohnungsmarkt einen Vorteil gegenüber Mitbewerbern zu verschaffen, sei es ratsam, im Vorfeld mit der Bank Details zu klären, um auch kurzfristig für eine Immobile ein Angebot machen zu können. Im Anschluss an die Diskussion konnten die Besucher, individuelle Fragen im Gespräch mit den Experten klären.  

Donnerstag, 12. April 2018

Zentrum Baukultur im Brückenturm | Rheinstraße 55 | 55116 Mainz

Veranstalter
Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz

Kooperationspartner
LBS Landesbausparkasse Südwest

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