Mario Schache erhielt für seine Arbeit "claustrum reconsilio" eine Anerkennung. (Foto: Kristina Schäfer, Mainz)

Präsentation | Zusammen auf Zeit

Ausstellungseröffnung Bachelor-Abschlussarbeiten Fachbereich Gestaltung, Fachrichtung Innenarchitektur der Hochschule Mainz

"Zusammen auf Zeit". Unter dieser plakativen wie vielsagenden Überschrift stand die Ausstellung der Bachelor-Abschlussarbeiten des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Mainz, die am 24. Januar im Brückenturm Mainz eröffnet wurde.

"Wohnen und Arbeiten haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt und damit auch die Architektur, die Ausdruck des jeweiligen Zeitgeistes ist", betonte Edda Kurz, Vizepräsidentin der Architektenkammer Rheinland-Pfalz in ihrer Begrüßung. Galt das Großraumbüro in den 1970er Jahren als innovative, bevorzugte Form, so haben sich zusehends hybride Formen durchgesetzt. Doch nicht nur der Arbeitsplatz, auch das Wohnen habe sich nachhaltig verändert. "Die Suche nach neuen Wohnformen – im demografischen Sinne – ist heute aktueller denn je. Wohnraum muss bedarfsgerecht für alle Altersgruppen gebaut werden", so Kurz und führt weiter aus: "Es gibt keine Standardlösung. Die Gesellschaft wandelt sich und mit ihr die Lebensräume!"

Waren die Arbeits- und Lebenswelten bislang für gewöhnlich räumlich voneinander getrennt und oft sogar weit voneinander entfernt, entstünden zusehends Konzepte, um beide Bereiche in einen neuen Kontext zu stellen. "Vor allem in der innovativen Verknüpfung von Arbeiten und Wohnen liegt eine der zukünftigen Herausforderungen für Innenarchitekten, Gestalter und Planer. Dieser Aufgabe haben sich 16 Bachelor-Absolventen der Hochschule Mainz gestellt, die uns heute ihre innovativen Entwürfe präsentieren. `Zusammen auf Zeit´ ist ein, wie ich finde, besonders spannender Ansatz und meint temporär im doppelten Sinne: Mobile Individuen können zeitweise an einem Ort zusammen arbeiten und leben. Zugleich mussten die Installationen auch komplett rückbaubar sein", so Kurz. Besonders freute sie, dass als Ort das Zentrum Baukultur gewählt worden war, das Teil des Rathausensembles des dänischen Stararchitekten Arne Jacobson ist. "Der Austausch mit den Hochschulen, die Denkräume, ja Innovationsschmieden sind, ist für uns sehr wichtig", sagte Kurz abschließend

"Wir lehren nicht nur, wir leben Hochschule. Dabei ist uns der persönliche Kontakt zu den Studierenden sehr wichtig. Denn wir wollen individuelle Gestalter ausbilden – und das ist uns auch gelungen. Alle Arbeiten sind sehr persönlich; jede trägt eine eigene Handschrift," sagte Prof. Andreas Kaiser, Leiter der Fachrichtung Innenarchitektur, in seinem Grußwort.

Hiervon konnten sich die Besucher selbst ein Bild machen: Mithilfe virtueller Brillen tauchten sie in die unterschiedlichsten, temporären Wohn-/Arbeitskonzepte ein. Aber auch die Modelle, Infotafeln mit Erläuterungstexten und Materialproben gaben einen guten Eindruck der jeweiligen Arbeit: Da gab es ein Projekt für Musiker (Dreiklang, Mateja Brovic), für Tätowierer (paper & skin, Nathalie Gertner) und für Haarartisten und Meisterfriseure, die sich gegenzeitig inspirieren und so neue Trends schaffen können (H.A.A.R.BUND, Mara Goergen). Politischer wurde es mit den Konzepten "Wohnfraktion" von Franziska Seel, bei dem sich die Bürger für ihre Stadt engagieren und gemeinsam mit Experten Lösungsvorschläge erarbeiten können oder "self working space" von Nadja Ayoub von und für geflüchtete Frauen, Migrantinnen und Women of Color. Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt. Einzige Vorgabe war, dass mindestens zehn Personen gemeinsam auf Zeit arbeiten und wohnen – ohne Spuren zu hinterlassen. Das Nutzungskonzept war zwingend komplett rückbaubar; strukturelle Veränderungen des Bestands tabu.

Zur Inspiration hatte Prof. Markus Pretnar von der Hochschule Mainz, der gemeinsam mit Börries Götsch (jazzunique GmbH, Frankfurt am Main) die Arbeiten betreute, die Studierenden mit aktuellen Thesen konfrontiert. "Nichts hält ewig", lautete eine der Thesen. Weitere waren: "Der Trend geht zur Urbanisierung", „Die Lebensbereiche Wohnen, Arbeiten und Freizeitgestaltung gehen immer schärfer ineinander über, sind nicht immer scharf voneinander zu trennen" und "Gestaltung kann durch Verknüpfung bislang getrennter räumlicher und sozialer Funktionen echte Innovation hervorbringen!" Als konkretes Beispiel nannte Pretnar das Q-Quartier der Deutschen Bank in Berlin mit Filiale, Co-Working-Space, aber auch Gastronomie und Kinderbetreuung. Auch wenn kaum noch was an eine Bankfiliale erinnere, zeige die Innenarchitektur jedoch wenig Neues, Überraschendes, so Pretnar. Weitere Bespiele waren parasitäre Raumerweiterung, Raum-in-Raum-Installationen, Tobias Rehbergers 96 Commissary, ein Restaurant für 96 Tage im früheren Casino der Degussa, das im Anschluss abgerissen wurde oder auch die lediglich aus geliehenen Bauteilen errichtete Messe in Eindhoven.

Exemplarisch für die Bandbreite der insgesamt 16 Bachelorarbeiten, stellten Christina Beklas und Anna Niedringhaus ihre Arbeiten "Work & Mural" und "Feuerwerk" vor. Christina Beklas, vor einigen Monaten selbst Mutter geworden, wendet sich mit ihrem Konzept "Work & Mural" an Mainzer Familien, die Arbeit und Familie stärker miteinander verknüpfen möchten. Getreu dem Motto: "Die Arbeit läuft nicht davon, wenn du deinem Kind den Regenbogen zeigst. Aber der Regenbogen wartet nicht, bis du mit der Arbeit fertig bist." Ihr Entwurf sieht vor, dass sich bis zu acht Familien mit maximal zwei Kindern im umgestalteten Zentrum Baukultur einmieten. Im Wechsel können die Eltern dann der Kinderbetreuung in der Spielebene oder ihrer Arbeit im Co-Working-Bereich im ersten Obergeschoss nachgehen. Der Arbeitsbereich wird von verschiedenen Wohn-/Schlafcubes umgeben, die sich ganz nach der Größe der Familien richten.

Auch Anna Niedringhaus‘ Arbeit "Feuerwerk" hat einen starken persönlichen Bezug: Ausgehend von ihrer Leidenschaft für Keramik, hat sie eine gemeinschaftliche Keramikwerkstatt mit den drei Zonen Glausurbereich, Formgebungsbereich und Gesellschaftsbereich entwickelt.

Im Anschluss an die beiden Kurzvorträge verlieh der Bund Deutscher Innenarchitekten bdia seinen Preis "bdia ausgezeichnet!" an herausragende Abschlussarbeiten. Die Preisverleihung nahm Daniela Sachs Rollmann, Vorsitzende des bdia Landesverbandes Rheinland/Pfalz-Saarland, vor. Ausgezeichnet wurde "Lyrisches Wir" von Johanna Helfrich, das sich an Sprachkünstler wie Schauspieler, Poetry-Slammer, Kabarettisten und Autoren richtet. Anerkennungen gingen an "Future Lab" von Valerie Krancan und "claustrum reconsilio" von Mario Schache.

Donnerstag, 24. Januar 2019

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