Ausstellungseröffnung | "Wir müssen verheutigen!"

Das ZB präsentiert die Ausstellung "Vorbildliche Bauten in Ortskernen" zum Baukulturpreis Eifel 2017

Rheinland-Pfalz ist ein Flächenland mit einem großen Anteil ländlich geprägten Raums. Sollte es eine Steigerung geben, so wäre das wohl die Eifel. Doch nicht nur ihr Naturraum, auch die traditionelle Baukultur mit ihren charakteristischen Ortbildern ist ihr heimlicher Schatz. Durch wegfallende Funktionen und gewandelte Wohnansprüche stehen jedoch viele Altbauten in Ortskernen leer und verfallen. Wie es gelingen kann, dem erfolgreich durch Umbau, Umnutzungen oder Neubauten entgegen zu treten, zeigt die Ausstellung "Vorbildliche Bauten in Ortskernen", die am 15. Mai im Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz (ZB) im Brückenturm Mainz eröffnet wurde.

In ihrer Begrüßung unterstrich die rheinland-pfälzische Finanz- und Bauministerin Doris Ahnen den hohen Stellenwert der seit 2011 bestehenden Initiative Baukultur Eifel, die nicht nur in der Region positive Impulse setze, sondern auch bundesweite Strahlkraft besitze. "Die Eifel hat ihren eigenen Charme, ihre eigene Architektur", sagte Ahnen. Der Baukulturpreis Eifel, der nach 2013 und 2015 vergangenes Jahr bereits zum dritten Mal vergebenen wurde, würdige besonders gelungene Beispiele. "Die elf prämierten Projekte zeigen die vielfältigen Chancen von nachhaltigen baulichen Entwicklungen in Ortskernen und Möglichkeiten im vorhandenen Baubestand. Zugleich leisten sie einen Beitrag zum Erhalt des Ortsbildes und der traditionellen Baukultur der Eifel. Die Initiative Baukultur Eifel ist ein Vorbild; nachmachen ausdrücklich erlaubt", so die Ministerin weiter. Denn vielerorts in Rheinland-Pfalz, wie auch bundesweit, bestehe noch großer Bedarf an bürgerlichen Initiativen, die sich für die regionale Baukultur einsetzen und damit die Identität der jeweiligen Region stärken.

"Der Baukulturpreis Eifel hat die Zeichen der Zeit erkannt", lobte der Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz Gerold Reker, der den Vorsitz in der Jury für den Baukulturpreis Eifel 2017 innehatte. Der Preis sei längst eine feste Größe. "Um ,gute Bauten´ wie die ausgezeichneten Arbeiten beurteilen zu können, reichen subjektive Maßstäbe nicht aus", erläuterte Reker. "Die gestalterische Leitidee – vom Farbkonzept bis zur Materialwahl – muss ebenso stimmig sein, wie die räumlich-historische Einbindung des Bauwerks. Auch die Aspekte Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit gewinnen weiterhin an Bedeutung." Eine besondere Herausforderung liege darin, die regionale, historische Baukultur durch Transformation, Umbau und bauliche Ergänzung in eine moderne Formsprache zu überführen. "Wir müssen verheutigen!", zitierte Reker das Motto des aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm zur Ausstellungseröffnung angereisten Landrates Dr. Joachim Streit.

Dem konnte sich dieser nur anschließen. In seinem Vortrag "Regionale Baukultur – Verheutigung – Standortmarke Eifel" erläuterte er das Auszeichnungsverfahren aus Auslobersicht, nicht ohne auf die regionalen Besonderheiten seines Landkreises einzugehen. Gemessen an seiner Fläche ist er der größte und zugleich am dünnsten besiedelte Landkreis in Rheinland-Pfalz sowie der gemeindereichste Deutschlands. Mehr als die Hälfte der Gemeinden hat weniger als 200 Einwohner. Wie andere ländliche Regionen kämpfe Bitburg-Prüm zunehmend mit den Folgen des demografischen Wandels. "Überalterung der Bevölkerung und wachsender Gebäudeleerstand sowie die Schließung von Nahversorgungs- und Infrastruktureinrichtungen sind drängende Herausforderungen", so Streit und führte weiter aus: "Unser Anliegen ist es, ein integriertes Kreisentwicklungskonzept zu schaffen, mit dem das ländliche Leben vitalisiert und der Standort Eifel nachhaltig gestärkt wird. Zugleich wollen wir auch den Blick für eine moderne, zeitgemäße Architektur in der Eifel schärfen." Hier setze die Initiative "Zukunfts-Check Dorf" an, die bis heute über 170 Gemeinden motiviert hat, im Sinne der Selbsthilfe die örtlichen Chancen und Herausforderungen zu erkennen und zukunftsfähige Strategien zu entwickeln. Der Erfolg schlägt sich auch in Zahlen nieder. Von 2011 bis 2014 gab der Landkreis am äußersten Westen von Rheinland-Pfalz 5,74 Millionen Euro für die Dorferneuerungsförderung aus und liegt damit landesweit auf dem Spitzenplatz. Sich auf dem Erfolg auszuruhen, kommt für Streit nicht in Frage. Er fasst bereits das nächste Projekt ins Auge: "Während unsere Ortskerne, auch dank Denkmalschutzvorgaben, weitgehend homogen sind, toben sich die Bauherren in den Neubaugebieten in Ortsrandlage aus. Für künftige Wohnbaugebiete wollen wir eine Bauleitplanung entwickeln, welche moderne Häuser in traditioneller Bauform vorsieht."

In ihrem anschließenden Impulsvortrag skizzierte Karin Hartmann vom Referat Baukultur und Städtebaulicher Denkmalschutz des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) aktuelle Forschungsschwerpunkte und stellte verschiedene Baukulturinitiativen in Deutschland vor. Dazu zitierte sie aus dem Buch "33 Baukultur Rezepte", das einen spielerischen Zugang zu Architektur- und Baukulturvermittlung bietet, je eine Vorspeise, einen Hauptgang und einen Nachgang. Damit aus einer Idee ein Projekt, aus einem Projekt eine Strategie werden könne, seien Fördergelder sowie Verbindungen zu Politik und Verwaltung ebenso wichtig, wie Multiplikatoren. "Ehrenamtliche Initiativen haben ihre Grenzen, zumal eine Professionalisierung meist abgelehnt wird. Sie setzen aber wichtige Impulse", brachte es Hartmann, die selbst jahrelang in diesem Bereich aktiv war, auf den Punkt.

Zum Abschluss präsentierte Helmut Fink vom Büro A.F. Plan - Fink und Roth Architektenpartnerschaft GmbB aus Bettingen die Neunutzung eines historischen Gehöfts vor, das in der Kategorie "Bauen im Bestand" ausgezeichnet wurde. Den Architekten gelang es in vorbildlicher Weise, die Bausubstanz der kleinbäuerlichen Hofanlage aus dem Jahr 1873 weitgehend zu erhalten und dabei drei neue, zeitgemäße Wohnungen zu schaffen, die auch in energetischer Hinsicht überzeugten. "Eine moderne, energieeffiziente und ressourcenschonende Gebäudetechnik war uns besonders wichtig. Schließlich sollen sich auch kommende Generationen an dem ehemaligen Gehöft erfreuen und dieses auch unterhalten können", sagte Fink. Mit Verweis auf die Finanzierung des denkmalgeschützten Gebäudes forderte er die anwesenden Vertreter der Ministerien auf, dörfliche Entwicklungszonen zu definieren und die Dorferneuerungs-Zuschüsse zu erhöhen.

Hintergrund
Der Baukulturpreis wird vom Eifelkreis Bitburg-Prüm in Kooperation mit Baukultur Rheinland-Pfalz ausgelobt. Ziel ist es, Bauherren sowie deren Architekten und Planer auszuzeichnen, die durch ihre Projekte in vorbildlicher Weise zur Erhaltung, nachhaltigen Stärkung und Aufwertung der jeweiligen Ortskerne beitragen. Prämiert wurden in 2017 zwei Neubauten in Ortskernen, die sich beispielgebend in die örtliche Umgebung einfügen, eine Freiraumplanung sowie acht Maßnahmen innerhalb des vorhandenen Baubestands – darunter Gebäudeumnutzungen zu Wohnzwecken oder einer gewerblichen Nutzung.

Dienstag 15. Mai 2018

Zentrum Baukultur im Brückenturm | Rheinstraße 55 | 55116 Mainz

Veranstalter: Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz

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