| Finissage | Mutige Stadt, mutige Entscheidungen

Mut zur Veränderung in Rheinland-Pfalz

Klaus-Dieter Aichele, Landschaftsarchitekt und Vorstandsmitglied der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, begrüßte zur Finissage der Ausstellung „Mutige Stadt, mutige Entscheidungen“ am 11. April in Mainz. Im Mittelpunkt des Abends stand ein Gespräch über zukunftsweisende Stadtentwicklung und den Mut zu neuen Wegen. Zu Gast waren zwei Bau- und Umweltdezernenten aus Rheinland-Pfalz: Manuel Steinbrenner aus Kaiserslautern und Alexander Thewalt aus Ludwigshafen.

Alexander Thewalt stellte das städtische Konzept für eine grünere, autoärmere Innenstadt in Ludwigshafen vor. Die angestrebte Verkehrsberuhigung soll die Aufenthaltsqualität steigern und geht mit dem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs sowie aktiver Mobilitätsformen wie Rad- und Fußverkehr einher. Ziel sei es, urbane Freiräume zu stärken und Barrieren im öffentlichen Raum zu reduzieren. „Ob das mutig ist, sei dahingestellt – aber es ist angebracht“, betonte Thewalt. Ein zentrales Projekt dabei ist das „Werkstattverfahren Zukunftsquartiere“. Es verfolgt eine übergeordnete städtebauliche Vision mit Schwerpunkten auf Wohnen, Bildung, Gewerbe, Mobilität und Umwelt. Herzstück des Konzepts ist die neue Stadtstraße (Helmut-Kohl-Allee), eine rund 860 Meter lange ebenerdige Verkehrsachse, die die kaputte Hochstraße Nord ersetzen soll. Rund um diese Verbindung soll ein nachhaltiges Stadtquartier entstehen – geplant von interdisziplinären Teams aus Stadt- und Landschaftsplanung sowie Architektur. Begleitet wird der Prozess von einem Fachbüro für Wettbewerbsverfahren und intensiver Bürgerbeteiligung. Bis 2030 sollen zentrale Orte wie das Bahnhofsviertel, der Friedenspark, das Gemeinschaftsquartier West und die Westendhöfe über einen sogenannten Infrastrukturgürtel – die „verbindende Innenstadt“ – miteinander vernetzt werden.

Auch Kaiserslautern geht neue Wege: „Die Stadt erwacht langsam aus ihrem Dornröschenschlaf“, so Manuel Steinbrenner. Grundlage ist das integrierte nachhaltige Stadtentwicklungskonzept (INSEK), das ebenfalls stark auf Bürgerdialog setzt. Beim „Markt der Ideen“ können Einwohnerinnen und Einwohner über vorgeschlagene Maßnahmen diskutieren, zusätzlich steht mit der Plattform „KLmitWirkung“ ein digitales Beteiligungstool zur Verfügung.

Architekt Matthias Rottmann, Partner im Büro De Zwarte Hond, sieht in dieser offenen Herangehensweise eine große Chance – auch mit Blick auf das Thema Wohngerechtigkeit: „Es betrifft uns alle und ist eine starke Flanke, die wir in die Gesellschaft tragen können.“ Der Diskurs darüber sei auch eine Form sozialer Bildung. Notwendig sei es, Selbstkritik zuzulassen und zu erkennen, dass man selbst Teil der Lösung sein kann.

Der Abend mündete in eine lebhafte Diskussion zwischen Podium und Publikum, moderiert von Andrea Schwappach, Architektin, Mediatorin und Baukulturvermittlerin aus Frankfurt am Main. Dabei wurde deutlich: Mutige Entscheidungen bedeuten nicht, Konzepte jahrelang zu entwickeln und auf ihre Umsetzung zu hoffen. Vielmehr geht es darum, Zwischentöne wahrzunehmen und konkrete, auch kleinere Schritte zu wagen. Manchmal ist es mutiger, eine zweitbeste Lösung zeitnah umzusetzen als in Stillstand zu verharren.

Ein gelungener und inspirierender Abschluss einer Ausstellung, die über sieben Wochen hinweg zahlreiche Besucherinnen und Besucher auch über die Landesgrenzen hinaus anzog. Neben der Eröffnung und der Finissage fanden zwei Workshops mit Schulklassen statt – ein eindrucksvolles Beispiel für gelebte Baukulturvermittlung.

 

Einladung (PDF)

 

 

 

 

Termin

Donnerstag, 10. April 2025 | 18.30 Uhr

Zentrum Baukultur im Brückenturm | Rheinstraße 55 | 55116 Mainz

Veranstalter:

Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz

Kooperationspartner:

Architektur- und Stadtplanungsbüro De Zwarte Hond, Groningen

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