| Aufstocken, Anbauen, Nachverdichten
Potenziale für mehr Wohnraum
Aufstocken, Anbauen, Nachverdichten – Nachhaltig neuen Wohnraum schaffen
ie Schaffung von Wohnraum in urbanen Regionen gehört zu den drängendsten Aufgaben in Deutschland. Besonders in Großstädten sind die Nachfrage nach Wohnungen und das Angebot an freien Grundstücken stark ungleich verteilt. Die Begrenztheit der verfügbaren Flächen macht es notwendig, innovative Lösungen zu finden, um dennoch neuen Wohnraum zu schaffen. Hier lohnt der Blick nach oben: Eine vielversprechende Antwort auf dieses Problem bietet die Aufstockung von bestehenden Gebäuden. Diese Methode der Nachverdichtung ermöglicht es, in relativ kurzer Bauzeit und zu geringeren Kosten dringend benötigten Wohnraum zu schaffen – und das ganz ohne die Versiegelung von wertvollen Grünflächen.
Laut den Berechnungen des Baukosteninformationszentrums (BKI) sind Aufstockungen nicht nur kostengünstiger als Neubauten, sondern auch ressourcenschonender. Besonders der Dachaufbau ist zwar teurer als ein Anbau, jedoch immer noch günstiger als ein kompletter Neubau, wenn man die Kosten pro Quadratmeter betrachtet. Diese Erkenntnisse belegen, dass Aufstockungen eine effiziente Möglichkeit darstellen, den Wohnraum in bestehenden urbanen Strukturen schnell und nachhaltig zu erweitern.
Um diese Potenziale voll auszuschöpfen, ist jedoch eine enge Zusammenarbeit von Politik, Baufinanzbranche und Architektenschaft erforderlich. Eine kompetente Beratung, die Bereitstellung passender Rahmenbedingungen und die Präsentation erfolgreicher Beispiele können helfen, mehr Menschen von den Vorteilen des Umbaus zu überzeugen. Der Baukulturbericht der Bundesstiftung zeigt, dass vier von fünf Menschen „Umbau“ mit etwas Positivem verbinden. Doch nur jeder zehnte sieht dabei auch einen Gestaltungsspielraum. Dies bedeutet, dass es noch erheblichen Aufklärungsbedarf gibt, um diese Chancen für Nachverdichtung und Aufstockung besser zu kommunizieren.
Im Rahmen des LBS-Gesprächsabends am 1. April, der von Anna Scheuermann, Architektin und Architekturkommunikatorin aus Offenbach am Main, moderiert wurde, erläuterten die Architekten Timm Helbach aus Mainz und Tim Driedger aus Frankfurt, wie kreatives und ästhetisches Design bei der Aufstockung von Gebäuden erfolgreich umgesetzt werden kann. Marc Derichsweiler, stellvertretender Abteilungsleiter der Bauabteilung im Ministerium der Finanzen Rheinland-Pfalz, begrüßte die rund 120 Gäste und betonte die Wichtigkeit, die Potenziale der Bestandsgebäude zu erkennen und einen Bewusstseinswandel in der Architektur und Stadtplanung herbeizuführen.
Timm Helbach, Inhaber des Architekturbüros mamuth, unterstrich in seinem Vortrag, dass bestehende Gebäude ein enormes Potenzial bergen. Nicht nur durch die Erhöhung der Wohneinheiten, sondern auch durch die energetische Sanierung der Dachflächen könnten diese Gebäude deutlich effizienter genutzt werden. Helbach betonte auch, dass KfW-Förderungen diesen Prozess unterstützen können, was zusätzlichen Anreiz bietet. Allerdings äußerte er Verwunderung über eine Studie, die für Mainz „Nullpotenzial beim Dachgeschossbau“ anzeigt – eine Einschätzung, die nicht der Wahrnehmung vieler Architekturbüros entspreche. Diese Diskrepanz mache es erforderlich, intensiver über die Möglichkeiten von Dachausbauten aufzuklären und eine breitere Kommunikation zwischen den verschiedenen Akteuren in der Baubranche zu fördern. Helbach forderte mehr Mut zur Nachverdichtung und die Unterstützung durch Genehmigungsverfahren, die solche Projekte begünstigen. Allein die Dächer in der Mainzer Innenstadt könnten potenziell Platz für Tausende von Wohnungen bieten, was die Bedeutung des Themas sichtbar unterstrich.
Marion Mai, Vorständin der LBS Landesbausparkasse Süd, machte in der abschließenden Gesprächsrunde deutlich, dass es wichtig sei, den Bau im Bestand als zukunftsweisende Lösung zu etablieren. Sie betonte, dass dieses Ziel durch enge Kooperation mit der Architektenschaft sowie durch eine umfassende Finanzierungs- und Energieberatung erreicht werden könne. Die Landesbausparkassen sollten die Menschen finanziell unterstützen, bestehende Gebäude umzubauen und so neuen, nachhaltigen Wohnraum zu schaffen, ohne dabei den Boden zu versiegeln. „Ich gehe mit dem Vorhaben aus dem Abend, Bauen neu zu denken“, so die Finanzexpertin.
Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie viel Potenzial im Bestand steckt, um den urbanen Wohnraum nachhaltig zu erweitern. Es gilt, diese Potenziale zu erkennen, die richtigen Anreize und die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Aufstockungen und Nachverdichtungen als praktikable Lösungen in der Stadtplanung deutlich stärker berücksichtigt werden.
Termin
Dienstag, 01. April 2025 | 18.30 Uhr
Zentrum Baukultur im Brückenturm | Rheinstraße 55 | 55116 Mainz
Veranstalter:Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz
Kooperationspartner:LBS Landesbausparkasse Süd
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