| Mutige Stadt, mutige Entscheidungen

Groningen und Mainz

 

Über hundert Besucher, darunter Interessierte aus Architektur, Stadtplanung und Politik, waren am 11. März zu Gast im Zentrum Baukultur. Eröffnet wurde die Ausstellung „Mutige Stadt, mutige Entscheidungen – Wie sich Groningen in eine Modellstadt verwandelte“, kuratiert von De Zwarte Hond. Sie zeigt die Entwicklung Groningens hin zu
einer nachhaltigen, resilienten und lebenswerten Stadt. Viele mittelgroße Städte in Europa laufen den Metropolen in ihrer Attraktivität den Rang ab, da sie eine höhere Lebensqualität versprechen. Ihre Bevölkerung wächst. Der Druck, das Versprechen einzuhalten, ist hoch. Groningen im Norden der Niederlande hat beherzt schwierige Entscheidungen getroffen und eine europaweit bemerkenswerte räumliche Qualität erreicht. Heute seien es nicht mehr die Metropolen, die als Ideal angesehen werden, vielmehr blicke man in Europa auf die stadtplanerischen Herausforderungen und Entwicklungen mittelgroßer Städte. Dabei sei es unerlässlich auch mal sehr deutlich – und eben mutig – „Nein“ sagen zu können, erklärte Matthias Rottmann, Architekt und Partner bei De Zwarte Hond. Gute Stadtentwicklung brauche das Zusammenspiel von kluger Kommunikation und fachlicher Kompetenz und einem langen Atem, bekräftigte Kristina Oldenburg, Stadtplanerin und Vorstandsmitglied der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, die den Abend moderierte. Stadtplaner Torsten Becker, führte das Publikum im Schnelldurchlauf durch Kaiserslautern, München, Hamburg, Paris, Offenbach und weitere Städte, deren Verantwortliche jeweils in ihrer Zeit und auf ihre ganz eigene Art und Weise mutige Entscheidungen getroffen haben. Marianne Grosse, Baudezernentin der Landeshauptstadt Mainz, schloss den Abend mit einer Retrospektive der Mainzer Stadtentwicklung. Die Ausstellung präsentierte, neben einem Überblick über die historische Entwicklung Groningens, exemplarisch drei der wichtigsten mutigen Entscheidungen und deren Umsetzung in unterschiedlichen Phasen der Stadtentwicklungsplanung. Dazu
gehören der Stadterweiterungsplan von Hendrik Petrus Berlage (1928–1932), die Entwicklung und Umsetzung des Verkehrsplans von Max van den Berg im Jahr 1977 sowie die Unterstützung innovativer und kontroverser architektonischer Projekte durch Ypke Gietema, der von 1978 bis 1992 Stadtrat für Raumentwicklung in Groningen war. Zusammen haben diese mutigen Entscheidungen Groningen zu jener kompakten, charakteristischen und beispielhaften Stadt gemacht, die sie heute ist. Das Fazit? Nachhaltige Gestaltung braucht ein breites gemeinsames Verständnis davon, was eine lebenswerte Stadt ausmacht. Vor allem aber braucht es Mut, Entscheidungen zu treffen, die einen dauerhaften Entwicklungsstillstand vermeiden – auch wenn sie im Zweifel womöglich nicht allen Interessen gerecht werden.

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Termin

Freitag, 25. April 2025 | 14.00 Uhr

Zentrum Baukultur im Brückenturm | Rheinstraße 55 | 55116 Mainz

Veranstalter:

Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz

Kooperationspartner:

Architektur- und Stadtplanungsbüro De Zwarte Hond, Groningen

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