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Cybersicherheit im Planungsbüro

Ein Begriff der allen bekannt ist und doch oft plakativ erscheint. Die technischen Entwicklungen sind so rasant, dass Unsicherheiten nie ganz verschwinden. Ein schnelllebiges Geschäft – das Internet. Wie können wir uns schützen, wenn wir online agieren? Welche Spuren hinterlassen wir und welche Einfallstore gibt es, durch die wir angreifbar werden? Sicherheitsfragen stellen sich in Privathaushalten wie auch in Planungsbüros beim Diskussionsabend Cybersicherheit am 14. September 2021, zu dem Kammerpräsident Gerold Reker im Zentrum Baukultur begrüßte. Erste Antworten gaben anschließend Dr. Vladimirs Petrovs, Fachgebiet Cyberversicherungen bei VHV Versicherungen, Andreas Pilot, Architekt und BIM-Manager aus Darmstadt und Tobias Schneberger, mann+schneberger Architekten BDA aus Mainz. Durch neue Tools, wie beispielsweise das Building Information Modelling (BIM) in Architekturbüros entstehen vielfältige Möglichkeiten fachlicher Vernetzung. Das ist positiv für die Planungsabläufe, erfordert aber von allen Beteiligten ein neues Verantwortungsbewusstsein. Laut Petrovs gibt es zwei Faktoren, die das allgemeine Risiko erhöhen, unbemerkt angegriffen zu werden. Erstens, das Verarbeiten digitaler Daten durch die Mitarbeiter, zweitens der Austausch dieser Daten im Netz.

Die Schwachstelle liegt hierbei zum einen in der Nutzung privater Endgeräte, auf denen keine regelmäßigen Browser-Updates erfolgen. Zum anderen an der fehlerhaften Erstellung von Daten-Backups durch die Unternehmen. Beide Risiken entstehen grundsätzlich bei der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnik und sind kein BIM spezifisches Merkmal, generell auch keines von Fremdsoftware. Im Gegenteil sind professionelle Arbeitsplattformen, wie BIM-Anwendungen, in der Regel sicherer als private Systeme, da dort professionelle Backups erstellt, betreut und gesichert werden.

„BIM ist perfekt geeignet, um alle Details anschaulich zu präsentieren und Veränderungen schnell einzupflegen“, Andreas Pilot, Architekt und BIM-Manager

„Mit der Nutzung von BIM-Anwendungen, werden Daten in Cloud-Systemen gespeichert, aber auch lokal auf dem eigenen Server im Büro – eine Mischform also“, erörtert Andreas Pilot. Zudem zeigt BIM meist nur ein Referenzmodell, also das Zwischenergebnis eines Projekts. Der Stand wird kommuniziert, wurde aber vorher lokal abgespeichert. Die Daten sind also trotzdem noch im Büro verfügbar. Ein weiterer großer Vorteil von BIM: Die gesamte Kommunikation ist gebündelt für alle Beteiligten einsehbar. Kommentare und Beurteilungen können am Plan bzw. Modell abgeben werden, auf E-Mail Korrespondenz kann daher gänzlich verzichtet werden – Eine deutliche Erleichterung im Arbeitsprozess. Man kann schnelle und zielgerichtete Entscheidungen treffen, was viel Zeit spart. Dieser Vorteil überwiegt den einen Nachteil, dass man von diesen Nachrichten und Kommentaren kein E-Mail-Back-up hat. Die Daten sind sehr voluminös und das Speichern extrem kompliziert. „Dennoch, die Kommunikation ist so super effizient, dass wir nicht mehr darauf verzichten möchten und sollten wir darauf mal zwei Tage nicht zugreifen können, hat man immer noch genug andere Arbeit zu erledigen bis es wieder funktioniert“, so Pilot. Auch für die Zusammenarbeit auf der Cloud und im System gibt es vordefinierte Regeln, an die man sich halten muss. „Es gibt Server für ein Backup, diese laufen permanent mit und sollte es einen Angriff geben, kann relativ schnell herausgefunden werden, wann das war und der Zustand einiger Stunden vorher wiederhergestellt werden. Das beruhigt ungemein“, beschreibt Tobias Schneeberger.

Die Vorteile überwiegen also bei weitem die marginalen Risiken und wenn man erst einmal mit BIM arbeitet, wird man parallel nicht mehr alle Informationen in einem klassischen Planwerk dokumentieren wollen, so die einhellige Meinung der Experten im Gespräch.

Termin

Dienstag, 14. September 2021

Zentrum Baukultur im Brückenturm | Rheinstraße 55 | 55116 Mainz

Veranstalter:

Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz

Kooperationspartner:

VHV Versicherungen

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